Durchfall ist ein häufiges Symptom

Durchfall & Reizdarm

Autoren: Stand: 14.02.26
Durchfall & Reizdarm

Ständig Durchfall ohne erkennbare Ursache? Möglicherweise steckt das sogenannte Reizdarm¬syndrom dahinter. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen daran – Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Doch was hilft?

Reizdarmsyndrom: Durchfall sehr belastend

„Mit Ihrem Darm ist alles in Ordnung“ – das hören viele Reizdarm-Patienten immer wieder, wenn sie zum Arzt gehen. Für die Betroffenen ist tatsächlich aber gar nichts in Ordnung: Sie haben ständig mit Bauchbeschwerden wie Durchfall, Bauchkrämpfen und Blähungen zu kämpfen. Diese sind oftmals so heftig, dass die Lebensqualität und der Alltag der Patienten erheblich beeinträchtigt ist. Speziell das Symptom Durchfall stellt für Betroffene oft ein herausforderndes Problem dar. In diesem Fall sollen laut medizinischer Leitlinie Durchfallmittel mit dem Wirkstoff Loperamid eingesetzt werden. Sie wirken schnell bei akutem Durchfall und:

  • verlangsamen die Passagezeit der Nahrung, indem sie die erhöhte Darmbewegung reduzieren.
  • erhöhen den Spannungszustand des Schliessmuskels am After.

Aber warum stellen Ärzte dann bei der Untersuchung so oft nichts fest? Das liegt daran, dass beim Reizdarmsyndrom (engl. „Irritable Bowel Syndrome“, IBS) mit der üblichen Diagnostik keine Ursache gefunden werden kann. Früher hiess es daher oft, die Symptome seien psychisch bedingt. Heute weiss man aber: Reizdarm-Patienten leiden nicht nur an chronischen Bauchbeschwerden, sondern es kommt auch zu Veränderungen im Darm – zum Beispiel zu einer gestörten Darmflora und Darmbewegung. Das Reizdarmsyndrom ist also eine körperliche Erkrankung.

Reizdarmsyndrom: Wann kann es auftreten?

  • In der Kindheit oder im Erwachsenenalter
  • Nach einer Magen-Darm-Infektion
  • Nach traumatischen Lebensereignissen (z.B. Todesfall in der Familie, Missbrauch)

Ärzte sprechen von einem Reizdarmsyndrom, wenn…

  • ... Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen, die in der Regel mit Veränderungen des Stuhlgangs (z. B. Durchfall, Verstopfung) einhergehen, chronisch bestehen – sprich: länger als drei Monate.
  • … der Betroffene die Beschwerden als so stark empfindet, dass er sich Sorgen macht und daher ärztliche Hilfe sucht – wenn also die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist.
  • … keine für andere chronische Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn) typischen Veränderungen auftreten.

Damit die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt werden kann, müssen zunächst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen können. Deshalb ist das Reizdarmsyndrom eine sogenannte Ausschlussdiagnose.

Gut zu wissen:

Reizdarm ist keine Seltenheit.

Typisch Reizdarm: Durchfall & Co.

Mediziner unterscheiden anhand der Stuhlveränderungen verschiedene Formen des Reizdarmsyndroms:

  • Diarrhö-Typ: Chronischer Durchfall ist das Hauptsymptom.
  • Obstipations-Typ: Andauernde Verstopfung ist das Hauptsymptom.
  • Alternierender Typ: Durchfall und Verstopfung treten im Wechsel auf.

Durchfall & Reizdarm: Behandlung

Beim Reizdarmsyndrom richtet sich die Behandlung nach den jeweiligen Symptomen.

Bei Durchfall ist der Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten wichtig: Achten Sie daher darauf, ausreichend zu trinken. Sind die Verluste sehr hoch, können spezielle Fertiglösungen aus der Apotheke helfen, den Elektrolythaushalt wieder ins Lot zu bringen.

Durchfall-Mittel: Auch der Wirkstoff Loperamid kann bei reizdarmbedingtem Durchfall eine Option sein. Diese Arzneimittel legen den Darm sozusagen lahm, indem sie die natürliche Darmbewegung hemmen – und bei Reizdarmpatienten mit Durchfall ist die sogenannte Darmmotilität häufig stark erhöhtZusätzlich können bei Durchfall folgende Massnahmen und Mittel helfen:

  • Lösliche Ballaststoffe: Lösliche Ballaststoffe wie das Pektin in geriebenem Apfel und in noch leicht grünen Bananen binden überschüssige Flüssigkeit und können daher bei Durchfall lindernd wirken. Auch Flohsamenschalen eignen sich bei Durchfall infolge des Reizdarmsyndroms.
  • Spezielle Probiotika: Ausgewählte probiotische Arzneistoffe können ebenfalls bei Durchfall eingesetzt werden und haben den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu anderen Medikamenten gegen Durchfall in der Regel auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
  • Bestimmte pflanzliche Mittel: Präparate mit den Wirkstoffen zum Beispiel der Pfefferminze können ebenfalls einen Versuch wert sein. Zusätzlich können Heiltees auf Basis von Anis, Kümmel oder Fenchel eine beruhigende Wirkung entfalten.
Wichtig: Wichtig:

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt, welche Therapieoptionen in Ihrem Fall sinnvoll sind.

Reizdarmsyndrom: Was hilft?

  • Gesunde Lebensweise: Nicht rauchen, wenig Alkohol – so lauten die Basisempfehlungen beim Reizdarmsyndrom. Aber auch ausreichend Schlaf und regelmässige Bewegung können Ihr Wohlbefinden steigern.
  • Stressabbau: Stress ist ein Auslöser bzw. Triggerfaktor beim Reizdarmsyndrom. Daher können sich verhaltensbezogene Therapiemassnahmen (z. B. Entspannungstechniken, Anti-Stress-Training im Rahmen einer Psychotherapie) positiv auswirken.
  • Beschwerdetagebuch: Wer über eine bestimmte Zeit hinweg dokumentiert, wann und wie oft seine Beschwerden auftreten, kann möglichen Auslösern (z. B. Stress, bestimmte Lebensmittel) auf die Spur kommen.
  • Ernährung: Es gibt keine spezielle „Diät“ für Patienten mit Reizdarmsyndrom. Stellt der Arzt bei Ihnen jedoch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit fest, sollten Sie auf die entsprechenden Lebensmittel verzichten. Grundsätzlich gilt also: Erlaubt ist, was Ihnen bekommt.
  • Probiotika bei Reizdarm: Heute weiss man, dass das Reizdarmsyndrom mit Veränderungen der Darmflora (Mikrobiota) einhergeht. Ausgewählte Bakterienstämme wie das Bifidobakterium infantis werden daher zur Behandlung des Reizdarmsyndroms empfohlen.1,2 Sie können die bei Reizdarm-Patienten gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen und so verschiedene Darmbeschwerden lindern.

Reizdarm: Wichtige Differenzialdiagnosen

Verschiedene Erkrankungen können ähnliche Beschwerden wie das Reizdarmsyndrom auslösen und müssen zunächst ausgeschlossen werden, z.B.:

  • Darminfektionen (z.B. Shigellen, Salmonellen)
  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Zöliakie
  • Nahrungsmittel-
    unverträglichkeiten
  • Darmkrebs

Die besten Tipps bei Durchfall

Viel trinken
1 / 4

Viel trinken

Bei Durchfall geht wertvolle Flüssigkeit verloren. Der Flüssigkeitsverlust wiederum kann mit Kreislaufproblemen und Schwäche einhergehen. Umso wichtiger ist es, bei Durchfall viel zu trinken!

Während bei Gesunden etwa 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag empfohlen werden, sollten es daher bei Durchfall schon etwa 3 bis 4 Liter täglich sein. Ideal ist Mineralwasser ohne Kohlensäure oder auch Kamillen- oder Pfefferminztee. Am besten mehrere Tassen über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken.

Elektrolytlösungen
2 / 4

Elektrolytlösungen

Natrium, Kalium, Chlorid – bei Durchfall ist der Verlust an wertvollen Elektrolyten erhöht. Hier heisst es gezielt gegensteuern. Spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke können für den nötigen Ausgleich sorgen – vor allem bei starkem Durchfall sowie für Kinder und ältere Personen ist diese Massnahme wichtig.

Ernährung bei Durchfall
3 / 4

Ernährung bei Durchfall

Bei akutem Durchfall werden keine speziellen diätetischen Einschränkungen empfohlen. Laut der aktuellen medizinischen Leitlinie dürfen Betroffene grundsätzlich alles essen, was sie vorher gewohnt waren und was sie vertragen. Meist sind kleinere Mahlzeiten günstig, ebenso wie eine reizarme, fettreduzierte und ballaststoffarme Kost wie Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Haferflocken mit etwas Salz. Suppen, gekochtes Gemüse, Salzstangen, Bananen und fettarmer Joghurt sind ebenfalls gut geeignet.

Wann zum Arzt?
4 / 4

Wann zum Arzt?

Durchfall lässt sich in der Regel durch geeignete Mittel gegen Durchfall und ergänzende Massnahmen gut selbst in den Griff bekommen. Allerdings ist in manchen Fällen ein Arztbesuch empfehlenswert. Das gilt insbesondere, wenn der Durchfall trotz der eingeleiteten Massnahmen länger als drei Tage anhält oder wenn Durchfall immer wieder auftritt. Auch bei hohem Fieber, stark ausgeprägtem Schwächegefühl und heftigem Erbrechen ist ein Arztbesuch ratsam. Dasselbe gilt, wenn Durchfall blutig oder eitrig ist.

Grundsätzlich gilt: Wenn ältere oder geschwächte Menschen sowie Kinder Durchfall haben, sollte der Arzt konsultiert werden.

Autoren, medizinische Fachinformationen und Quellen

Jetzt einblenden

Stand: zuletzt aktualisiert am 14.02.26

Wissenschaftliche Standards:
Dieser Text entspricht den Standards und Vorgaben aus der ärztlichen Fachliteratur, folgt den einschlägigen medizinischen Leitlinien, Veröffentlichungen von Fachgesellschaften sowie aktuellen Studien und wurde von Fachjournalisten geprüft. Mehr zu unseren Qualitätssicherungsstandards

Autoren:

ICD-Code:

ICD-Codes (International Classification of Diseases) sind weltweit anerkannte medizinische Verschlüsselungen für Diagnosen. Sie werden von Ärzt:innen verwendet, um Krankheiten und Gesundheitsstörungen eindeutig zu klassifizieren und finden sich beispielsweise in Arztbriefen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Abrechnungen mit Krankenkassen.

Quellen:

Fachliche Endprüfung und Qualitätssicherung:

Das könnte Sie auch interessieren:

Mittel gegen Durchfall

Mittel gegen Durchfall

Wissenswertes rund um rezeptfreie Mittel gegen Durchfall aus der Apotheke.

Mehr erfahren
Die besten Tipps bei Durchfall

Die besten Tipps bei Durchfall

Was hilft wirklich bei Durchfall? Hier finden Sie bewährte Tipps.

Mehr erfahren
Was ist Durchfall?

Was ist Durchfall?

Durchfall zählt zu den häufigsten Magen-Darm-Beschwerden.

Mehr erfahren
Durchfall nach Antibiotika

Durchfall nach Antibiotika

Eine Unverträglichkeit auf ein bestimmtes Antibiotikum führt häufig zu Magen-Darm-Beschwerden.

Mehr erfahren

1Layer P et. al.; S3-Leitlinie zur Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms. Z Gastroenterol 2011; 49:237-293.
2Irritable Bowel Syndrome: a Global Perspective Update September 2015. World Gastroenterology Organization, 2015.